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Montag, 5. April 2021

Düppel-Quarantäne 124: Begriffseinführung Axt

Dies ist wieder ein bisschen anders, aber wieder brauche ich es später als Referenz. Hier noch die Notiz: es gibt da draußen viele Experten und Möchtegern-Experten zu Äxten. Eure Meinung - selbst wenn fachlich richtiger als meine - interessiert mich nicht. Es geht mir hierbei ausschließlich darum klarzustellen, was ich mit bestimmten Wörtern meine wenn ich sie später verwende. 

Axt vs. Beil: so weit ich das verstehe ist es im normalen Sprachgebrauch eine Axt wenn man beide Hände braucht und ein Beil wenn man nur eine Hand braucht. Achtung, dies ist anders als bei Archäologen, wo scheinbar eine Axt ein Auge hat, während ein Beil kein Auge hat (stattdessen geht der Stiel in irgendeiner Form um den Kopf drumrum.

Eine Universalaxt hat eine beidseitig geschliffene Schneide und hat üblicherweise eine Spiegelachse durch die Mitte.

Ein Behaubeil wird verwendet, um z.B. Bretter und Balken zu glätten. Deswegen hat es eine "glatte" Seite. Die Schneide ist nur auf einer Seite geschliffen - üblicherweise rechts (draufsicht, Rechtshänder-Beile). Manchmal ist hier echt alles eine Ebene, manchmal sind Dinge etwas verdreht oder versetzt, aber der Effekt ist der Gleiche: Wenn man von der ungeschliffenen Seite der Schneide eine Linie malt, dann ist da nichts mehr im Weg. Damit kann man am Besten gerade Flächen schaffen. Dadurch ist das Beil jedoch auch gleich automatisch asymmetrisch. Linkshänder brauchen Sonderanfertigungen.

Eine Spaltaxt ist wieder symmetrisch, aber wird ziemlich dick, wie ein Keil. Damit soll eine Spaltaxt die Fasern weiter auseinander drücken, als z.B. eine Universalaxt das würde.




Dienstag, 9. März 2021

Düppel-Quarantäne 117: Reisigbesen

Material: Stock, Schnur, Reisig

Werkzeug: Gartenzange, Messer

1. Zweige etwa gleicher Länge abschneiden bis man eine Handvoll hat

2. Zweige derart bündeln, dass die Schnittfläche glatt abschließt und alle halbwegs dicht parallel liegen

3. an 3-4 Stellen mit ca. 10cm abbinden

4. Stock anspitzen. Hinter der Spitze alle Hubbel glattschnitzen und Schnitte setzen die wie Widerhaken zur Spitze liegen

5. Stock mit Spitze nach oben auf den Boden stellen. Reisigbündel darauf aufsetzen, sodass der Stock mittig sitzt. Beides anheben und wiederholt sanft auf den Boden schneiden um den Stock in das Reisigbündel zu treiben

6. Reisig ggf in Form stutzen

Authentizität: Besen dieser Art sind einfach, praktisch und brauchen kein besonderes Material. Es ist sehr wahrscheinlich dass etwas dieser Art verwendet wurde.












Samstag, 9. Januar 2021

Düppel-Quarantäne 106: Webbrettchen

Material: Starkfournier (1,5mm-3mm Dicke, dünnere Bretter können sich mit Feuchtigkeit verziehen)

Werkzeug: Teppichmesser, Schleifpapier, Bohrer (ca. 3-4 mm Dicke), Lineal

1. Bretter großflächig abschleifen (jetzt einfacher als später)

2. Bretter in 4,5cm x 4,5cm Quadrate schneiden (in Streifen schneiden und Streifen unterteilen)

3. ca. 8mm nach innen versetzt Löcher in alle vier Ecken bohren

4. Kanten abschleifen

5. Schliefpapier in Rolle wickeln und Löcher schleifen

Authentizität: Es gab Webbrettchen aus Holz, Horn und Knochen. Jedoch sind die meisten Funde die zeitlich zu Düppel passen sehr edel (z.B. mit Goldfaden broschierte Seidengewebe) und werden deswegen vermutlich eher Hartholz, Knochen oder Horn verwendet haben (da hier weniger Gefahr besteht, dass sich die edlen Fäden verhaken).

 



 

Donnerstag, 5. November 2020

Düppel-Quarantäne 76: Spinnwirtel und Spindel bauen

Basiert auf der Tonverarbeitungsanleitung.

Material: Ton, Stock

Werkzeug: Grill, Stock, Optional Glas oder Stein, Schnitzmesser, Optional Linolwerkzeug

1. Ton zu Kugel formen

2. Kugel flachdrücken und mit dem Stift ein Lock in die Mite stechen. Ziel ist eine möglichst symmetrische Scheibe (schlechte Scheiben machen eiernde Spindeln). Dies wird das Schwunggewicht, auch genannt "Spinnwirtel"

3. Optional: im Trockungsprozess mit Glas oder Stein polieren und mit Linolwerkzeug verzieren (Verzierung ist auch in nassem Zustand möglich)

4. nach vollständiger Trocknung im Grill brennen

5. Stock zuschnitzen, dass er zu beiden Enden hin zuläuft. Ein Ende muss kleiner als das Loch in der Wirtel sein. Am anderen Ende eine Kerbe einschnitzen.

6. Wirtel auf Spinnstock stecken

Authentizität: voll

Meine Herausforderungen: wenn die Wirtel nicht ganz gebrannt ist, dann platzen Teile im Loch ab.
















Freitag, 29. Mai 2020

Düppel-Quarantäne 68: Schreibfeder

Material: Schwungfeder. Traditionell Gans, Schwan oder Rabe, aber ich hab auch schon erfolgreich mit Schwan geschrieben. Tinte

Werkzeug: Messer, Pinzette oder ähnliches, optional: Schneidunterlage

1. Spitze abschneiden
2. Faseriges Zeug aus der Mitte rausziehen (da ist so eine schlauchartige Membran drin)
3. Spitze schräg anschneiden (ca. 30° zur Federachse)
4. Kanten von Schnitt säubern
5. ca. 5mm langen geraden Schnitt in der Mitte der Spitze machen
6. Optional: Traditionell wurde alles nicht notwendige abgeschnitten. Das heißt ein Stück über der Hand wurde die Feder abgeschnitten und ein Großteil der Fasern auch - die sind sonst bloß im Weg. Sieht gestutzt weniger hübsch aus, ist aber authentischer
6. Eintunken, abtupfen und losschreiben

Dosierung der Tinte braucht etwas Übung. Wenn die Feder vor weniger als einem halben Jahr noch am Vogel war, dann kann sie zu weich sein. Traditionell steckt man sie dann nach Schritt 3 in heißen Sand um das Fett etwas herauszuziehen, dadurch kann die Feder aber auch schnell zu trocken werden.

Authentizität: in Düppel unwahrscheinlich oder nur sehr wenig verwendet. Dies ist die Art Schreibfeder die im 12 Jhd vorallem im Kirchenwesen verwendet wurde.












Montag, 25. Mai 2020

Düppel-Quarantäne 66: Woll-Kämme

Material: hartes Holz, große Nägel
Werkzeug: Bohrer verschiedener Stärken, optional Uhu

Diese Anleitung ist ähnlich den Woll-Hecheln (https://babblingbrookcraft.blogspot.com/2020/04/duppel-quarantane-32-woll-hechel.html). Aber mit zwei Kämmen kriegt man die Wolle mehr entheddert und besser in schön saubere Kammzüge als mit Hechel, deswegen finde ich das lohnt sich trotzdem.

Die Anleitung basiert außerdem auf einem älteren Projekt. Ich habe den Nägeln die Köpfe entfernt und sie mit dem Hammer verdellt (im Schmiedefeuer auf Ambos) und im Feuer schwarzgebrannt (hier: so heiß gemacht dass Wachs verdampft und dann mit Wachs eingerieben). Sieht schicker aus, tut aber denselben Zweck wie normale Nägel.

1. 4 Stücke Holz zusägen: zwei Stücke 2x2x22cm (Griffe) und zwei Stücke 2x2x18cm (Querstück)
2. in Mitte von Querstück jeweils ein großes Loch bohren (1,2cm oder 1,5cm)
3. letzen 2cm von Griffen so runterschnitzen, dass sie in diese Löcher passen. Dann reinstecken
4. in orthogonal zu großen Löchern alle 1cm ein kleines Loch bohren (Durchmesser von Nagel). Dabei von der Mitte raus arbeiten. In der Mitte sollte ein kleines Loch senkrecht durch den Griff gehen
5. Nägel in Löcher stecken. Wenn man sie leicht verdellt hat dann sollten sie sich festklemmen, wenn nicht dann kann es sein dass man sie mit Uhu einkleben muss

Authentizität: Es gibt wohl Wikingerfunde von Wollkämmen mit Eisenzähnen, mir zeigte mal jemand eine angebliche Replik gezeigt bei der die Querstücke aus Geweih waren. Selber habe ich es nicht recherchiert, es könnte als auch nur Mittelalter-Mythos sein. Mir scheint es als recht viel Eisen dass sich doch eigentlich durch Hartholz ersetzen lassen müsste...

Mittwoch, 29. April 2020

Düppel-Quarantäne 41: Fadenspulen

Material: dünne Holzleiste, Schnur
Werkzeug: Schnitzmesser, Bohrer, optional Säge, optional Schleifpapier

1. in ca. 3cmx5cm Plättchen unterteilen
2. in taillierte Form Schnitzen
3. Loch bohren
4. neben dem Loch eine kleine Kerbe schnitzen um Fadenende einzuklemmen
5. Optional abschleifen

Authentizität: diese Form von Fadenspulen wurde in Wikingerausgrabungen belegt. Es passt genug Näh-Faden für eine Bruche aber nicht für ein Zelt drauf. Möglicherweise wurden darauf auch Stickgarne aufbewahrt.





Dienstag, 28. April 2020

Düppel-Quarantäne 40: Knochennadeln

Material: Knochen
Werkzeug: Säge oder Axt, Feile, feiner Bohrer (max 2mm)

1. schmales Stück Knochen abspalten oder absägen
2. runterfeilen zu 3-4mm Dicke (in zwei Richtungen, die dritte hat die Länge des Splitters)
3. Loch in breiteres Ende Bohren
4. überschüssiges Material abschleifen

Authentizität: sehr

Was dabei schief ging: nur die wenigsten Splitter waren so wie ich sie wollte. Aber ich hatte keine Lust mehr auf sägen und mehr Knochen als ich brauch.




Sonntag, 26. April 2020

Düppel-Quarantäne 38: Augenbohrer

Material: großer Nagel, Pump-Bohrer oder Griff, Heißkleber
Werkzeug: Metallsäge, Hammer und harte Oberfläche, Feile, Heißklebepistole

1. Nagelkopf und Nagelspitze absägen (in bereits diskutierter Form - gegen einen harten Gegenstand halten und leise fluchen - geht für mich ganz gut, aber wenn ihr einen habt könnt ihr ihn auch in einen Schraubstock einspannen)
2. Ende der Nagelspitze platt klopfen
3. Ende der Nagelspitze wie in Bild dargestellt anfeilen: zu einer sehr flach zulaufenden Spitze formen und dann mit Kante von Feile in sehr flachem Winkel von beiden Seiten her links und rechts von der Spitze einfeilen. Es sollen V-förmige 'Schneiden' entstehen
4. In Pumpbohrer oder einfachen Griff einsetzen

Der Augenbohrer funktioniert so, dass man drei Spitzen hat: eine längere in der Mitte und zwei kürzere an den Seiten. Wenn man ihn aufsetzt trifft erst einmal nur die mittlere auf das Material. Erst wenn diese sich ein Stück durch Drehen des Bohrers reingefressen hat treffen die anderen Spitzen auf das Material. Diese ziehen dann ringförmige Rillen. Wenn die mittlere Spitze nicht länger ist, bleibt der Bohrer nicht an seinem Loch sondern wandert.

Authentizität: abgesehen von Heißkleber sehr, ein beliebtes Zierelement in Knochen, Zahn, Geweih und Holz





Samstag, 25. April 2020

Düppel-Quarantäne 37: Pump-Bohrer

Mein neuestes Lieblingsspielzeug! In diesem Video ab 7:10 sieht man, wie man so einen Bohrer verwendet https://www.youtube.com/watch?v=ZEl-Y1NvBVI

Material: ein gerades rundes Holz, zwei ca. rechteckige Hölzer, zwei kleine gleichschwere Steine (ca. 7g je), Lederschnur, Heißkleber, 2mm Messingdraht
Werkzeug: Heißklebepistole, Bohrer mit verschiedenen Durchmessern, Hammer, harte Unterlage, Feile, Drahtzwicker

Teil 1: Pumpmechanismus
1. Hölzer in Form schnitzen: ein gerader Rundstock etwa 25cm lang und 8mm Durchmesser, ein Rechteck ca. 12x2cm, eine Ellipse mit ca. 15-20cm x 2cm - alles kann proportional hochskaliert werden
2. Löcher bohren:
* in Rechteck ein Loch in Mitte dass fest auf Rundholz aufgeschoben werden kann, 
* in Ellipse ein Loch in Mitte in dass das Rundholz locker passt, sowie Löcher an jedem Ende durch dass das Lederband gut passt,
* in Rundholz an das obere (dünnere) Ende ein Loch in dass Lederband locker passt quer zur langen Achse des Stabs, und in's andere Ende ein Loch in dass der Messingdraht locker passt parallel zur langen Achse des Stabs
3. mit Heißkleber die Steine an den beiden Enden des Rechtecks festkleben. Dabei darauf achten dass das Rechteck ausbalanciert ist. Wenn man den Stab auf dem Finger balanciert, dann muss der Berührungspunkt mit dem Finger genau in der Mitte liegen
4. Rechteck von oben auf Rundstab schieben und wenn nötig mit Heißkleber befestigen
5. Ellipse von oben auf den Rundstag schieben.
6. Lederschnur durch Ellipse - Rundstabloch oben, Ellipse fädeln und so verknoten, dass die Ellipse ca 1,5cm über dem Rechteckstab waagrecht hängt wenn man den Rundstab senkrecht hält. Wenn man beim Pumpen am Rechteckstab anschlägt kann es sein dass man die Lederschnur noch etwas kürzen muss

Teil 2: Bohrkopf
1. ca 4-5cm Draht abtrennen und der vollen Länge nach plattklopfen. Dabei ein Ende besonders platt klopfen
2. besonders plattes Ende zu Lanzenspitzenform feilen. Die vorderen Kanten müssen scharf sein. Die Breite der Lanzenspitze wird der Lochdurchmesser
3. Ende ohne Lanzenspitze unten in Rundholz mit Heißkleber einkleben, sodass der Bohrkopf möglichst eine gerade Verlängerung des Rundholzes ist.

Authenzität: leider ist der Heißkleber hier nicht sehr nützlich, ansonsten ist das Ding bis in die Steinzeit bekannt und wurde im Mittelalter vorallem für Knochenarbeiten oder für Dekorationen verwendet. Ich liebe es um Augen in Knochen zu bohren - Augenbohrer kommt morgen.

Was dabei schief ging: ich hatte einen der Steine nicht richtig angeklebt und die Zentrifugalkraft unterschätzt. Irgendwann - ohne jegliche Vorwarnung - flog er plötzlich davon. Ich bin heilfroh dass keine Glasscheibe in der Flugbahn war, ich glaube er war schnell unterwegs... Steine gut(!) ankleben!